Reisebericht | Thailand

Zwei Nächte und drei Tage im Tempel in Krabi

Juni 10, 2017
Unterkunft im Tempel in Krabi

Wir haben es gemacht – In Krabi haben wir unser Vorhaben in einen Tempel zu gehen umgesetzt. Es war eine tolle, teils anstrengende und mit Sicherheit eine intensive Erfahrung an die wir uns noch lange erinnern werden. Auf jeden Fall ist es  jetzt schon ein Highlight unserer Reise.

Bereits in Deutschland haben wir uns damit auseinandergesetzt, ausgesucht hatten wir uns den Tiger Cave Tempel in Krabi. Nach unserer Ankunft in Krabi wuchs der Wunsch wieder es auszuprobieren. Jetzt oder vermutlich nie, da wir anschließend Thailand verlassen werden. Nach einigen Überlegungen waren wir überzeugt. Auch unser Freund Clinton, den wir in Krabi wieder getroffen hatten, entschied sich dazu, uns zu begleiten.

Vorfreude
Vorfreude von Malte und Clinton

Zum Hintergrund

Als Buddhist ist es üblich mindestens ein Mal im Leben für eine Zeit im Tempel zu leben. Dies umfasst in der Regel einen Zeitraum zwischen 10 Tagen und maximal drei Monaten. Auch als Tourist hat man die Möglichkeit in einen Tempel zu gehen. Die meisten Tempel nehmen allerdings nur Männer auf, außerdem haben wir von einem Bekannten gehört, dass die von ihm angefragten Tempel alle belegt waren. Grundsätzlich ist ein solcher Aufenthalt komplett kostenlos und umfasst Mediation, Essen, Wasser und eine Übernachtungsmöglichkeit. Es wird jedoch eine Spende erwartet. Zudem muss man sich ggf. entsprechende Kleidung besorgen, falls diese nicht gestellt werden kann. In unserem Fall haben sich die beiden Männer Hosen für je 100 Baht gekauft und weiße Shirts getragen. Meine Kleidung konnte ich mir leihen.

Die Entscheidung

Vor unserem Aufenthalt im Tempel haben wir unseren netten Hosts vom Smile Guesthouse gesprochen. Diese haben unser Gepäck aufbewahrt und uns den Tipp gegeben, uns den Panurat Tempel anzuschauen. Dieser sei ruhiger gelegen und die Räume kühler.

So sind wir erstmal losgezogen, um uns beide Tempel anzuschauen. Den Tiger Cave Temple wollten wir uns allein aufgrund der Aussicht nicht entgehen lassen. Der Panurat Tempel ist hinter dem Krabi Hospital gelegen und wurde in der Zeit als wir da waren nur von Einheimischen aus der Umgebung besucht. Nach einigen Verständigungsschwierigkeiten kamen wir mit einem Englisch sprechenden Mönch in Kontakt, der uns einlud für ein paar Tage im Tempel zu bleiben. Da wir direkt ein gutes Gefühl hatten, sagten wir zu am nächsten Morgen um 9 Uhr zu starten.

Anschließend fuhren wir mit gemieteten Rollern bis zum Tiger Cave Tempel und erklommen die 1.260 Stufen. Der Tempel ist auf einem Berg gelegen. Noch vor einiger Zeit wurden wohl die Besucher gebeten jeweils einen Stein mit nach oben zu tragen, um bei den Bauarbeiten zu helfen. Ob dies stimmt, kann ich nicht sagen. Aber es war sicherlich clever von den Einheimischen, denn wir hatten schon Probleme uns selbst dort hinauf zu schleppen 😉

In den Reiseführern und Blogs stehen noch 1.036 Stufen. Jedoch wurde ein besonders steiles und auch unsicher aussehendes Stück ersetzt. Die Stufen sind zu Beginn noch eben und gleichmäßig. Doch wie in den asiatischen Ländern üblich sind die meisten Stufen unterschiedlich hoch und breit… Die Nummerierung der Stufen ist grade zu Beginn nicht besonders aufbauend, aber hilft natürlich beim Countdown. Und der Aufstieg lohnt sich! Auf meinem Rückweg habe ich es den Entgegenkommenden beteuert und es ist wirklich eine tolle Aussicht. Je nach Wetterlage kann man sehr weit schauen und überblickt die Stadt, das Meer, weite Teile der Landschaft sowie einige Karst-Hügel. Trotzdem hoffen wir für die Mönche, dass sie dort nicht jeden Tag hochlaufen müssen 😉 Wir haben es nicht erfahren, sondern kehrten am nächsten Morgen zu unserem kleinen idyllisch gelegenen Tempel zurück.

Oben angekommen auf dem Tiger Cave Temple

Der Aufenthalt

Natürlich wurden wir erstmal getrennt. Clinton und Malte bekamen jeweils einen Bungalow zugewiesen und lebten zusammen mit den Mönchen auf dem Tempelgelände. Während die Mönche meist orange Kleidung trugen, wobei diese von senfgelb bis fast braun variieren konnte, trugen die beiden den ganzen Tag über weiße Kleidung in Form einer Hose und einem Shirt. Generell haben die Mönche keine Besitztümer außer der Kleidung, die sie tragen. Alle sind komplett an Beinen und Armen (oft auch Augenbraun) rasiert und tragen sehr kurze Stoppelhaar Frisuren. Auch wenn sonst die Haare bei Malte dran bleiben durften, so musste der auf der Reise liebevoll gezüchtete Bart leider ab :/

Ich war außerhalb vom Gelände in einem Haus mit den Frauen untergebracht. Dort waren wir zu meiner Zeit insgesamt zehn Frauen, von denen zwei ständig dort leben. Diese hatten genau wie ich einen eigenen kleinen Raum, die anderen waren teilweise zusammen untergebracht. Ich bekam eine dünne Matte, zwei Kissen, einen kleinen Tisch und einen Ventilator gestellt. Um es direkt voraus zu sagen: Gut geschlafen habe ich auf der dünnen Unterlage nicht 😀

Die Nonnen, die dort leben, hatten kurzes schwarzes bzw. weißes Haar, durften diese also anscheinend behalten. Wir trugen alle braune bzw. hellblaue Kleidung. Die braune Kleidung waren ein weites Hemd sowie eine weite Hose. Die hellblaue Kleidung besaß noch zusätzlich einen Schal, den wir uns auf bestimmte Weise umlegen mussten. Die braune Kleidung zum kehren (morgens und nachmittags) und die hellblaue Kleidung zum Gebet und zur Meditation. Sprich wir mussten uns drei Mal am Tag umziehen. Natürlich musste die Kleidung immer frisch sein.

Tagesablauf im Tempel

Der Tag im Tempel hat eine feste Struktur:

  • 5 Uhr aufstehen (am Wochenende eine halbe Stunde später, die Männer immer um 5:30 Uhr)
  • 5:30 Uhr kehren (Frauen) / 6:00 Uhr Mönche sammeln Essen in der Umgebung
  • 7:30 Frühstück und Abgabe von Speisen an eine Mönchsschule
  • 8:00 Uhr duschen (alle) und umziehen (Frauen: von brauner zu hellblauer Kleidung)
  • 9:00 Uhr Gebet (im Lotus- bzw. Schneidersitz oder kniend, Füße immer nach hinten)
  • 10:30 Uhr Meditation
  • 11:30 Uhr Mittagessen und gleichzeitig letzte Mahlzeit am Tag (erst essen die Mönche, danach die Nonnen und Einheimischen)
  • 12:30 Uhr relaxen, schlafen, duschen, umziehen (die Mönche Beten, Lesen oder Studieren)
  • 15:00 Uhr kehren (alle)
  • 17:00 Uhr Gebet
  • 21:00 Uhr Schlafen

Natürlich gilt diese Struktur nicht für alle Tempel. In einigen Tempeln wird nur früh morgens etwas gegessen, in anderen hilft man auch bei anderen Aufgaben etc. Manchmal wie gesagt werden Frauen gar nicht aufgenommen und sind nur als Gäste beim Gebet zugelassen.

Kein Körperkontakt

Maltes größte Sorge war, dass wir überhaupt nicht sprechen durften. Dies war zwar erlaubt, jedoch aufgrund der Sprachbarriere schwierig. Der Kontakt zwischen Männern und Frauen ist generell verboten. Wollten wir miteinander sprechen, wurden wir streng beäugt. Körperkontakt ist natürlich strengstens untersagt. Man darf beispielsweise auch nichts überreichen. So habe ich ein Buch für die Bibliothek dagelassen. Dieses musste ich auf den Tisch legen und erst dann konnte es sich der Mönch nehmen, da wir sonst für einen Moment gleichzeitig das Buch festgehalten hätten.

Mir fiel dies zu Beginn sehr schwer, da es eine seltsames Gefühl war, Malte zu sehen, aber ignoriert zu werden. Dies war natürlich Absicht, da es ihm streng verboten war wie auch mir mit einander in Kontakt zu treten, aber es war so ungewohnt. Doch das war natürlich auch genau die Idee, mit der wir ins Kloster gegangen sind: Uns auf uns selbst zu konzentrieren. Also blieben wir viel für uns.

Insgesamt waren alle sehr freundlich und hilfsbereit. Von den Frauen wurde ich offen aufgenommen und bei allem begleitet. Immer war jemand da, der sich um mich kümmerte, mir sagte wie ich zu sitzen hatte beim Beten und was zu tun war. Es war schön so herzlich aufgenommen zu werden, andererseits auch seltsam immer unter Beobachtung zu sein.

Meditieren

Die beiden Männer hatten während des Gebets die Möglichkeit zu meditieren. Ich saß in der ersten Reihe und war angehalten die Bewegungen nachzumachen (Handhaltung und Sitzstellungen sind durchaus unterschiedlich ;)). Während der Meditation saßen wir alle im Schneidersitz mit gradem Rücken und konzentrierten uns komplett auf unsere Atmung.

Auch wenn zu Beginn unsere Beine häufiger einschliefen, so konnten wir schon nach dieser kurzen Zeit feststellen, dass uns die Meditation gut getan hat. Ich bin mir sicher, dass ich es Zuhause fortsetzen werde. Da wir aufgrund der Sprachbarriere wenig Anleitung und Erklärungen erhielten möchte ich es gerne intensivieren und mich nochmal darauf einlassen. Ich versuche mich auch im Alltag zwischendurch auf die Atmung zu konzentrieren. Dies hilft besonders bei einer graden und entspannteren Haltung.

Fazit

Es ist schwierig zu beschreiben, was in einem vorgeht während eines Klosteraufenthalts. Für mich persönlich war es eine Herausforderung, mich auf den doch sehr unterschiedlichen Alltag einzustellen. Grade zu Beginn fand ich es beklemmend und mir fehlte der Austausch dazu. Ich möchte die Erfahrung jedoch nicht missen und bin froh, es gemacht zu haben.

Während der Meditation konzentriert man sich auf die Atmung und beachtet alles was man gerade tut, also jede Bewegung. Man lernt die Gedanken auf eine Sache zu konzentrieren. Wann welches Level der Mediation eintritt, das ist bei jedem sicherlich unterschiedlich. Wir haben von Personen gehört, die geweint hat, andere schlafen auch ein, bei anderen klappt es gar nicht. Einfach ausprobieren!

Und was die Erfahrung im Tempel angeht: Ebenfalls ausprobieren. Wir haben einen kleinen Einblick in den Alltag erhalten und konnten uns auf uns selbst konzentrieren. Nach den bereits gemachten Erlebnissen auf unserer Reise war es ein schöner Abschluss von Thailand. Als nächstes reisen wir ins eher moslemisch geprägte Singapur und Malaysia und werden dort gänzlich neue Eindrücke erhalten.

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