Reisebericht | Indonesien

Hati Hati, Jakarta

Juni 30, 2017
Traffic jam Jakarta

Der erste Eindruck der Hauptstadt von der Republik Indonesien ist hektisch und laut. Viele hatten uns vor der Reise gesagt, dass Bangkok als Startpunkt uns erschrecken könnte, weil die Stadt chaotisch und laut sei. Uns hat die „Stadt des Lächelns“ jedoch direkt begeistert. Bangkok als Millionenstadt ist natürlich hektisch, aber die MRT fährt überall hin und die Stadt wirkt sortiert. In Jakarta hingegen reihen sich schnell auf einer zweispurigen Straße bis zu acht Autos und Roller nebeneinander, wobei die Mopeds auch gerne mal auf den Gehweg ausweichen. Auf den Fußwegen wurden mehrere Hindernisse gebaut, damit eben dies erschwert wird. Doch gerade die Taxi-Roller finden meist einen Weg daran vorbei.

Wir haben darauf verzichtet einen Taxi-Roller zu nehmen, da uns der Verkehr und nicht zuletzt der Fahrstil der Javanesen dann doch abgeschreckt hat. Man hat das Gefühl, dass fast jeder der rund 10 Millionen Einwohner Roller fährt. Helme tragen hier zwar die meisten Fahrer, aber ein geregeltes System auf der Straße gibt es nicht. Die Ampeln werden zum Großteil ignoriert, während ein Polizist versucht den Verkehr zu lenken. Die Hupe schein zudem das Mittel zum Zweck zu sein um sich durch den Verkehr zu bahnen.

Jakarta zu Fuß oder per Bahn

So wie es aussieht, ist jeder entweder mit einem eigenem Auto oder Roller unterwegs oder lässt sich eben mitnehmen. Da auch die Nebenstraßen in der Regel verstopft sind und die Bürgersteige von Rollern frequentiert werden ist zu Fuß gehen äußerst kompliziert. Auf unserem Weg zum ethnologischen Museum war es uns unmöglich ohne mehrere Hauptstraßen überqueren zu müssen. Das war teils echt waghalsig.

Natürlich verkehren auch Busse und eine U-Bahn, aber das Netz ist noch nicht komplettiert. Für beide braucht man unterschiedliche Karten, die aufgeladen werden und mit denen man fahren kann. An den Automaten der U-Bahn herrscht jedoch regelmäßig Chaos und es warten lange Schlangen, während immer nochmal zusätzlich ein Angestellter einem das System erklärt und bei den Tickets hilft. Man kann jedoch nicht direkt überall hinfahren und die Tickets kaufen, sondern wenn man umsteigt, muss man auch gleichzeitig raus und dann mit einem neuen Ticket weiterfahren. Sprich, es wird einem nicht gerade einfach gemacht die Bahn zu nutzen und dementsprechend war diese in der Regel relativ leer und die Straßen alle verstopft.

Ramadan in Java

Wir haben uns getraut und waren dann trotzdem zu Fuß oder per U-Bahn in Jakarta unterwegs. Allerdings auch nur zwei Nächte, da wir dann doch lieber weiter in ruhigere Gebiete fahren wollten. Java hat wirklich schöne Gegenden, in denen auch noch nicht so viele Touristen auf einen warten und wir häufig als Exoten behandelt wurden. Häufig wurden wir nach gemeinsamen Fotos/Selfies gefragt und beobachtet, so beispielsweise auch in der Istiqlal-Moschee, die wir an unserem ersten Tag in Jakarta besuchten.

Die Istiqlal-Moschee (Unabhängigkeits-Moschee), die größte Moschee Südostasiens, liegt direkt neben einer Kirche und sollte auf jeden Fall besucht werden. Rund 85% der Indonesier sind Muslime und daher gehört der Islam zur Kultur und zum Stadtbild dazu. Als einzige Touristen in der Istiqlal-Moschee fielen wir natürlich direkt auf. Alle waren sehr hilfsbereit, die Mädchen kicherten wenn sie uns passierten und es boten sich einige an, uns mit Erklärungen zu helfen. Da gerade Ramadan war (26.05. – 24.07.2017), war die Moschee sehr gut besucht. Besonders in den letzten zehn Tagen, so wurde uns erklärt, gehen viele Moslems in die Moschee. Viele hatten Kissen und Decken dabei, da sie dort übernachten, um häufiger beten zu können.

Dadurch sind einige Geschäfte nicht nur in Jakarta sondern überall auf der Insel geschlossen, was wir auch zu spüren bekamen. Ramadan auch die Zeit des Fastens, sprich zwischen Sonnenaufgang und Sonnenuntergang ist es nicht erlaubt zu essen. Zum Sonnenuntergang gegen 18.30 Uhr sind daher viele Geschäfte zum Fastenbrechen geschlossen. Dann kann nichts eingekauft werden, da die Muslime dann mit ihren Familien essen. Andere Geschäfte sind in der Zeit komplett geschlossen, da die Muslime besonders am Wochenende und an den anschließenden Feiertagen zu ihren Familien nach Hause fahren. Dadurch waren auch fast alle Züge und Busse ausverkauft, was wir nicht bedacht hatten in unserer Reiseplanung. Wir haben schließlich doch noch eines der letzen Zugtickets von Jakarta noch Yogyakarta erhalten. Der Preis war jedoch überteuert und der Bahnhof brechend voll.

Istiqlal-Moschee Jakarta
Istiqlal-Moschee Jakarta

Altstadt und Museen

Natürlich hat Jakarta auch seine schönen Seiten, wenn man sie kennt. Wir kannten sie nicht und dachten, ein schöner Platz wäre sicherlich die als wunderschön beschriebene Altstadt. Diese lohnt jedoch keinen Besuch. Es gibt einen ganz hübschen Platz, an dem Holland-Fahrräder in quietsch-bunten Neon-Farben verleiht werden und vereinzelt ein paar touristische Geschäfte vorhanden sind. Den Charme scheint diese Gegend jedoch schon vor einiger Zeit verloren zu haben.

Hollandfahrräder vor Stadhuis Jakarta
Hollandfahrräder vor dem Stadhuis in Jakarta

Vereinzelt sind ein paar nette Gebäude aus der Zeit der holländischen Besetzung erhalten und auch das Stadthuis, das ehemalige Rathaus von Jakarta ist am Platz. Jedoch sollte man nicht zu viel erwarten, wenn man in die Altstadt fährt.

An der Altstadt vorbei geht es durch vollgestopfte Straßen zum Museum der Schifffahrt (Museum Bahari). Für 5.000 Rupiah (etwa 35 Cent) kann man sich alte Bauwerke anschauen und erfährt etwas über die Marine Geschichte. Abgesehen von ein paar gruseligen Puppen (beispielsweise auch aus der Fluch der Karibik) ist das Museum sehr interessant. Besonders gefallen hat uns das Gelände mit dem gut erhaltenen Lagerhallen, die aktuell renoviert werden. Im Preis inbegriffen ist auch der Aufstieg auf den (niedrigen) Aussichtsturm.

Wir auch im Nationalmuseum (Museum Nasional), was wirklich spannend war. Leider wird auch hier aktuell ein Teil renoviert, aber der zweite Teil des Gebäudes erstreckt sich über vier Stockwerke und enthält viele Informationen über die Geschichte von Indonesien. Besonders spannend fand ich den Abschnitt über die Entwicklung der Sprache und den Künstler zu Beginn der Ausstellung. Er fertigt in Handarbeit die für Indonesien typischen Batik-Stücke an. Gerne hat er mir seine Kunst gezeigt und mich selbst mal ausprobieren lassen, mit Wachs die Formen zu zeichnen. Als Einstieg für eine Rundreise durch Indonesien ist das Nationalmuseum von Jakarta ideal!

Jakarta Highlights

  • ein Besuch im spannendend Nationalmuseum mit vielen Informationen über die Geschichte von Indonesien
  • Beschäftigung mit der Kultur von Jakarta und Java. Dazu gehört ein Besuch der Istiqlal-Moschee, der größten Moschee in Südostasien
  • Zugfahrt von Jakarta nach Yogyakarta. Die Landschaft ist wunderschön!
  • Der Antiquitätenmarkt hat schöne Einzelstücke und viele „Steh-rümchen“
  • Wie immer in Asien: Street Food! Mein Favorit: Pecel (Gemüse in Erdnusssauce mit entweder Reis oder Nudeln)

Fazit

Würde mich jemand fragen, würde ich Jakarta als Reiseziel nicht empfehlen. Für viele ist die Stadt aufgrund des Flughafen Station auf ihrer Reise durch Indonesien. Ein Besuch im Nationalmuseum von Jakarta und in der Istiqlal-Mosche sind ein guter Einstieg und auch der chaotische, laute und hektische Verkehr gehört ja irgendwie zu Asien dazu 😉 Aber nach 1-2 Nächten sollte die Reise auf jeden Fall gerne per Zug weitergehen. Dabei unbedingt aus dem Fenster schauen, um die wunderbare Landschaft mit den vielen Reisfeldern aufzusaugen.

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