Kambodscha | Reisebericht

Drei Tage im Dschungel – Reiswein für die Geister

April 17, 2017
Jungle Crew

Auf unserer Reise wollen wir Abenteuer erleben, etwas Neues sehen und mehr über uns selbst erfahren. Im Nordosten Kambodschas sind wir daher drei Tage in den Dschungel gegangen und haben gelernt, welche Blätter nach Limetten schmecken, aus welchem Bambus man Wasser trinken kann und wie man Frösche fängt. Es war wunderschön, anstrengend – und wir haben danach ein frisches Bett in vollen Zügen genießen können 😉 Mit Hilfe unseres lokalen und super freundlichen Guides kann man sicher länger im Dschungel überleben, aber drei Tage waren für den Anfang ausreichend. Wir würden es jedem empfehlen!

Die Stadt Banlung

Nachdem wir nach langer Zeit auf Don Khon Laos verlassen haben, wollten wir unbedingt in den Nordosten von Kambodscha. Per Bus ging es auf dem Landweg über Stung Treng nach Banlung. Die Hauptstadt der Provinz Rattanakiri hat eine kleine Innenstadt, ist relativ dreckig, aufgrund des roten Sandes ziemlich verstaubt und hat selbst wenig zu bieten. Doch es ist die perfekte Basis für Ausflüge in die umliegende Natur und den Virachay National Park.

Wir haben uns eine Unterkunft am lokalen See gesucht, an dem es etwas ruhiger als in der Stadt ist. Per Motorbike haben wir die Sehenswürdigkeiten in der Nähe besucht. Highlight ist der 4.000 Jahre alte Kratersee Yaek Loem ($2 Eintritt) der durch einen Meteoriten entstanden sein soll. Dies würde auch die kreisrunde Form erklären. Kristallklar wie beschrieben haben wir ihn nicht vorgefunden, aber für eine kalte Erfrischung lohnt sich trotzdem ein Sprung ins kühle Nass. Abkühlen kann man sich auch in den drei Wasserfällen in der Umgebung: Chha Ong, Ka Tieng und Ka Chang liegen im Umkreis von 8km der Stadt und sind über eine Dirt Road erreichbar (in der Regenzeit besser fahren lassen).

Der eigentliche Grund warum wir aber nach Banlung gefahren sind, ist die umliegende Natur. Unsicher, ob wir nochmal ein Trekking machen sollten, waren wir erst zögerlich, doch die Beschreibung hat uns überzeugt sowie die Möglichkeit, den Trip auf unsere Bedürfnisse anzupassen. Da das Eco-Information Center vermutlich aufgrund von Neujahr geschlossen hatte, haben wir direkt in unserem Hostel „Flashbacker Pad“ bei „Sophat Tours“ gebucht. Der nette Eigentümer Sophat hat uns gute Tipps gegeben.

Abenteuer im Dschungel

Nach einer stürmischen Nacht ging es am Morgen los – erst mit dem Tuk Tuk, dann per Boot und schließlich zu Fuß. Die Französin Anna-Laura lernten wir im Hostel kennen und sie stellte sich als super nette Trekkingbegleitung heraus. In Asien reisen aufgrund der französischen Kolonialzeit viele Franzosen und nicht alle waren freundlich. Mit Anna-Laura waren wir eine perfekte kleine Gruppe von nur drei Leuten plus zwei Guides Smey und Long. Smey spricht sehr gut Englisch, das er in einer buddhistischen und später einer christlichen Schule gelernt hat. Long kommt aus einem kleinen Minoritäten-Dorf am Flussufer, das wir am Ende des Trips besucht haben. Er ist praktisch im Dschungel aufgewachsen und weiß sehr viel über die Natur dort. Aber auch viele Kambodschaner haben gelernt wir man dort überlebt und sich Nahrung beschafft, da sie während der Khmer Rouge Zeit in den Dschungel flüchten mussten. Dieses Wissen geben sie an ihre Kinder weiter.

Die gestellten Hängematten und Decken für die Nacht sowie ausreichend Wasser schnallten wir uns auf die Rucksäcke und dann ging es los in den Dschungel. Long zeigte uns essbare Blätter, schlug mit seiner Machete Bambus, aus dem wir trinken konnten und wies uns auf viele Tierarten hin. Da wir Interesse an den gezeigten Sachen zeigten, war er sehr bedacht uns immer wieder mit kleinen Highlights zu erfreuen. Leider sahen wir auch viele Stellen, an denen illegal Holz geschlagen wurde. Die Einheimischen verkaufen besonders das  Mahaghoni Holz teuer an Zwischenhändler weiter.

Täglich wanderten wir 3-4 Stunden durch den Dschungel. Zwischendurch machten wir Rast am Wasser und lauschten den Geräuschen der Tiere in der Natur. Letztere nahmen wir auch besonders abends in der Hängematte wahr. Geschützt durch ein Moskitonetz schliefen wir nebeneinander und konnten die Ruhe der Natur genießen. Beim Strahlen der Sterne in der Nacht hören wir vor allem Frösche und auch morgens auch mal ein paar Affen, die den Tag ankündigten.

Die nächtlichen Camps waren immer in der Nähe von Frischwasser, so dass wir die dringend benötigte Abkühlung durch einen Sprung in den Wasserfall bekommen haben. Gekocht wurde über dem offenen Feuer mit allerlei Dschungel-Gerätschaften aus Bambus. Ihr glaubt nicht was man alles aus Bambus herstellen kann: Becher in diversen Größe, röhrenartige Töpfe in denen man kochen kann, Löffel, diverse Spieße und Harken zum Grillen und sogar einen Speaker für das Smartphone. Die Dschungelmahlzeiten waren einfach aber köstlich. An unserem ersten Abend gab es gar eine lokale Spezialität; Frösche die wir zuvor am Fluss gefangen haben. Mit etwas Soyasoße, Chili, Limette und Zucker angemacht und gegrillt ein echter Schmaus über den sich vor allem unsere französische Trekkingpartnerin freute.

Essen und Reiswein für die Geister

Wir haben von unseren Guides auch sehr viel über ihre Kultur erfahren. Bei unserer ersten Rast aßen wir Reis mit einer süß-scharfen Sauce, Gemüse und mariniertem Pork (lecker!). Eine kleine Portion stellte unser lokaler Guide Long für die Geister auf ein Blatt am Ende des Baumstamms auf dem wir saßen. Der Animismus ist in Kambodscha sehr verbreitet. Die Kambodschaner glauben an Geister, gute und böse, dies geht zurück auf die Lehre von der Beseeltheit der Dinge (lateinisch Anima = Seele / Atem).

Vom Reiswein, den wir am Abend tranken, haben wir immer die letzten Tropfen an die Geister gegeben. Mit dem hochprozentigen selbstgebrannten Alkohol haben wir auf das aktuell stattfindende neue Jahr angestoßen (14.-16. April 2017). Diese alljährliche Tradition aus Thailand bzw. China wurde auch in Kambodscha übernommen. Ursprünglich haben sie nur alle fünf Jahre ein sehr dorfeigenes Fest gefeiert, mittlerweile zelebrieren sie an diesen Feiertagen den Eintritt der Sonne. An Neujahr haben alle Geschäfte und viele Guesthäuser geschlossen, da die Kambodschaner zu ihren Familien fahren, um mit ihnen drei Tage lang zu feiern. Umso erfreuter waren wir, dass wir noch eine Tour buchen konnten.

Die Beschwichtigung der Geister ist für die Menschen ein wichtiger Bestandteil im täglichen Leben – und auch danach. So wird ein großes Fest veranstaltet, wenn ein Mensch stirbt. Die Abläufe sind je nach Kultur in Kambodscha sehr unterschiedlich. Grundsätzlich kommen alle zusammen und essen gemeinsam. Im von uns besuchten Dorf gibt es erst ein Fest Zuhause und nach einem Jahr auf dem Friedhof. Hier konnten wir aus Holz errichtete Gräber sehen, die eher kleinen Tempeln glichen und auf denen mehrere Gaben standen. Nach einem Jahr schlachtet die Familie einen Büffel oder je nach Wohlstand ein Schwein oder mehrere Büffel. Dieser wird zum Grab getrieben und muss dort Schläge erleiden. Dadurch werden dem Glaube zufolge alle Leiden vom Toten auf den Büffel übertragen.

Nach drei Tagen Dschungel ging es per Boot wieder Richtung Zivilisation. Mitgenommen haben wir, neben vielen Kratzern und Stichen, ein wunderbares und unvergessliches Naturerlebnis.

  1. 19.4.
    Hi , gestern kam die coolste Postkarte ever….
    40 Paddler , Trommler und Steuermann im Drachen!! wow
    Eure nächste challange:
    Nehmt an einem Rennen teil ……..!
    Alles Gute
    O ld P ot . A to

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